Mein Chef bekommt ein neues Auto, ...

24. November 2008 | Thema: Tagebuch der Sarah Kammberg  | Kommentare lesen (0) | (2)

Ich wünsche Ihnen allen einen wunderschönen Guten Morgen!

... denn der alte Leasingvertrag läuft bald aus. Und da Michael das – wie er es nennt – "Auto-Gen" nicht hat, muss ich ihm mit Rat und Tat bei der Auswahl des neuen Autos zur Seite stehen. Das macht ja auf der einen Seite viel Spaß, aber auf der anderen Seite nervt es doch schon ziemlich, mit seiner Unentschlossenheit klar zu kommen. Er hat ein festgelegtes Budget und daraus soll ich ihm ein "schönes Auto" zusammen stellen. So ein paar ganz grobe Exdaten konnte ich ihm entlocken, aber Ledersitze und Automatikgetriebe sind nun wirklich keine Kriterien, die eine Entscheidung maßgeblich beeinflussen. Und was genau heißt "schön"? Mit Dach oder ohne Dach? Kombi oder Limousine? Sport oder Komfort? Klein und schnell oder groß und komfortabel?

Nachdem ich ihm ein paar Vorschläge ausgearbeitet hatte, ging das Problem erst richtig los: Das Extra aus Auto X, das wäre toll von es das auch für Auto Y gäbe. Ein besseres Entertainmentsystem hätte er schon gerne und die Felgen gefallen ihm so nicht. Er hat da mal bei einem Freund Sitze gesehen, die hatten eine andersfarbige Naht. Und so ging es weiter. Je konkreter es wurde, um so komplizierter wurde es. Die überaus unangenehme Folge: bei fast jedem der Autos sprengten die neuen Wünsche das Budget. Und aus seiner eigenen Tasche was drauflegen, das sah Michael dann nun wirklich nicht ein. Das Auto war ja schließlich ein Firmenwagen.

Es war zum Haare raufen! So würden wir nie eine Lösung finden und der Termin für die Bestellung rückte immer näher. Ich wusste irgendwann keinen anderen Ausweg mehr und hab ihn gefragt, ob ich das Thema mit seiner Frau besprechen dürfte. Sie ist eine ganz patente und wir beide kommen gut miteinander klar. Vielleicht hatte sie ja das familiäre "Auto-Gen". Die Idee fand Michael Klasse und so hab ich am Nachmittag seine Frau angerufen. Sie kam dann am Donnerstag zu mir ins Büro und nach einer Stunde hatten wir zwei Autos fertig geplant. Ein "Spaßauto" ohne Dach und ein "Vernunftauto".

Beide waren zwar im Budget, aber bei beiden hatten wir dafür kleine Abstriche machen müssen. Jetzt hieß es abwarten, ob Michael sich trotzdem für einen der beiden Vorschläge erwärmen konnte. Seine Frau schlug mir vor, die beiden Vorschläge mit nach Hause zu nehmen und am Abend mit ihrem Mann zu besprechen. Ich war ihr unendlich dankbar, denn ich konnte das Thema wirklich nicht mehr hören. Ich hatte noch so ein "paar" andere Sachen auf meinem Schreibtisch und ein neues Spielzeug für meinen Chef stand eigentlich nicht auf meiner Prioritätenliste.

Als ich dann am Freitag vorsichtig nachgefragt habe, wie denn die abendliche Entscheidung ausgefallen sei, verfinsterte sich sein Gesicht. Er müsse da am Wochenende mal in Ruhe drüber nachdenken und er würde mir dann am Montag Bescheid sagen. Weil das mit dem Sport-Paket ... Oh, bitte nicht! Ich sah mich schon wieder weitere Autos planen, aber als ich eben meine E-Mails abgefragt habe, war da die Entscheidungs-Mail: Er nimmt das Spaßauto mit Sport-Paket und zahlt die Differenz selber. Da er erst heute Nachmittag ins Büro kommt, werde ich jetzt schnell alles fertig machen und losschicken, damit er es sich nicht noch einmal anders überlegen kann. Und ich kann endlich wieder normal arbeiten!


Ihre Sarah Kammberg

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